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<title>Magdeburger Himmelfahrtskrawalle</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Magdeburger Himmelfahrtskrawalle</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Als <b>Magdeburger Himmelfahrtskrawalle</b> werden Ausschreitungen in der <a href="Magdeburg" title="Magdeburg">Magdeburger</a> Innenstadt bezeichnet, die sich am 12. Mai 1994 ereigneten. Dabei wurde eine Gruppe Schwarzer von <a href="Rechtsextrem" class="mw-redirect" title="Rechtsextrem">rechtsextremen</a> Jugendlichen stundenlang durch die Magdeburger Innenstadt gejagt. Insgesamt wurden sechs Menschen verletzt. Ein Opfer der Übergriffe, der etwa 30-jährige Algerier Farid Boukhit, starb im September 1994. Die Staatsanwaltschaft schloss einen Zusammenhang mit den Übergriffen aus.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Das Hauptaugenmerk lag hierbei auf dem nach Ansicht von Beobachtern erschreckenden Verhalten der Polizei, die zu spät und zu zögerlich gegen die <a href="Neonazi" class="mw-redirect" title="Neonazi">Neonazis</a> eingriff; Augenzeugen berichteten, dass einzelne Beamte offen ihre Sympathie für die Angreifer ausdrückten.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Berichte_von_Opfern">Berichte von Opfern</h2></div>
<p>Opferberichten zufolge sollen die angerückten Polizisten die Afrikaner zum Teil beschimpft und durch ordinäre Handzeichen zusätzlich provoziert haben; ein konkretes Einschreiten gegen die Neonazis sei keinesfalls erfolgt. Die Rechtsextremen hätten dies als eine Art Freifahrtschein verstanden, alles zu machen, was sie wollen.
Als die Polizei dann endlich eingegriffen hätte, hätte sie insbesondere die Afrikaner festgenommen, die sich gegen die Rechtsextremen zur Wehr gesetzt hatten – die Randalierer selbst wurden größtenteils unbehelligt gelassen. Darüber hinaus gab es einige Klagen der Afrikaner, sie seien von Beamten bei der Festnahme schwer misshandelt worden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Medienecho">Medienecho</h2></div>
<p>Die Himmelfahrtskrawalle wurden durch das intensive, zum Teil sogar internationale Medieninteresse sofort zu einem großen Politikum. Im Bundestag fand am 18. Mai 1994 auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen eine <a href="Aktuelle_Stunde_(Parlament)" title="Aktuelle Stunde (Parlament)">Aktuelle Stunde</a> zum Thema statt, wo insbesondere <a href="Gregor_Gysi" title="Gregor Gysi">Gregor Gysi</a>, der damalige Bundespräsident <a href="Richard_von_Weizs%C3%A4cker" title="Richard von Weizsäcker">Richard von Weizsäcker</a> und die damalige Frauen- und Jugendministerin <a href="Angela_Merkel" title="Angela Merkel">Angela Merkel</a> Kritik an der Vorgehensweise der Polizei übten und die Vermutung äußerten, dass es auch innerhalb der Polizei rassistische Geisteshaltungen geben würde.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Kritik_und_Verteidigung_der_Vorgehensweise">Kritik und Verteidigung der Vorgehensweise</h3></div>
<p>In der Kritik stand vor allem, dass die wenigen festgenommenen Randalierer nach der Aufnahme der Personalien sofort wieder freigelassen wurden und die Möglichkeit des Unterbindungsgewahrsams nicht voll ausgeschöpft wurde sowie dass auch Afrikaner festgenommen wurden, die ja lediglich in Notwehr gehandelt hatten.
</p><p>Der damalige Innenminister Sachsen-Anhalts, <a href="Walter_Remmers" title="Walter Remmers">Walter Remmers</a> (CDU), verteidigte die umgehende Freilassung der Gewalttäter, indem er auf die Rechtslage verwies; diese besagt, dass für die Anwendung des Unterbindungsgewahrsams, der einen Tag längere Haft ermöglicht, die Vermutung bestehen muss, dass weitere Straftaten zu befürchten seien; dies habe nach 23 Uhr am <a href="Vatertag" title="Vatertag">Himmelfahrtstag</a> nicht zugetroffen. Allerdings gaben Remmers wie auch der damalige Magdeburger Polizeipräsident Antonius Stockmann zu, es sei ein Fehler gewesen, die Staatsanwaltschaft nicht sofort zu benachrichtigen; diese wurde erst am Tag nach den Krawallen aktiv und war dann nicht mehr in der Lage, sofortige Haftbefehle zu erlassen. Die Ausstellung von Haftbefehlen geschah erst in der Woche nach den Ausschreitungen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Ermittlungsverfahren">Ermittlungsverfahren</h3></div>
<p>Nach den Krawallen wurden insgesamt 15 Ermittlungsverfahren gegen Polizisten wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet, es wurden jedoch alle Beschuldigten entlastet. Ein Beamter, der zunächst suspendiert worden war, wurde 1995 freigesprochen. Eine Berufungsverhandlung bestätigte den Freispruch.
</p><p>Insgesamt wurden 86 mutmaßliche Täter der Himmelfahrtskrawalle ermittelt. Im Juli und August kam es zu acht Verurteilungen, zum Teil auch mit mehrjährigen Haftstrafen. Bei den unmittelbar auf die Krawalle folgenden Landtagswahlen am 26. Juni 1994 gab es einen Regierungswechsel, der die Versetzung Stockmanns in den einstweiligen Ruhestand durch den neuen Ministerpräsidenten <a href="Reinhard_H%C3%B6ppner" title="Reinhard Höppner">Reinhard Höppner</a> (SPD) sowie den neuen Innenminister <a href="Manfred_P%C3%BCchel" title="Manfred Püchel">Manfred Püchel</a> (SPD) zur Folge hatte.
</p><p>Als Antwort und Wiedergutmachung ihres Verhaltens veranstaltet die Magdeburger Polizei seit 1996 jährlich das "Fest der Begegnung", ein interkulturelles Festival, das insbesondere die Bekämpfung von <a href="Rassismus" title="Rassismus">Rassismus</a> und <a href="Ausl%C3%A4nderfeindlichkeit" class="mw-redirect" title="Ausländerfeindlichkeit">Ausländerfeindlichkeit</a> fokussiert und immer rege Teilnahme erfährt.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Quellen">Quellen</h2></div>
<ul><li><a href="Volksstimme" title="Volksstimme">Magdeburger Volksstimme</a> vom 14. Mai 2004</li>
<li>Harenberg Schlüsseldaten 20. Jahrhundert von 1995</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Taz" class="mw-redirect" title="Taz">taz</a> (3. Dezember 1994): <a rel="nofollow" class="external text" href="https://taz.de/!1530844/"><i>Überfall-Folgen?</i></a></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.magdeburg.de/index.php?ModID=7&amp;FID=698.10280.1&amp;object=tx%7C698.10280.1"><i>Fest der Begegnung 2023</i></a></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2024-12-28" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Magdeburger_Himmelfahrtskrawalle&amp;oldid=251666953">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
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